In der gegenwärtigen Zeit haben Individuen die Möglichkeit einer massenwirksamen Meinungsäußerung durch Klänge, Sprache oder Schrift über ein weltumspannendes Computernetzwerk. Sie selektieren eine favorisierte Plattform, um ihre unterentwickelte Persönlichkeit in der Welt zu implementieren. Diese Tatsache impliziert das Nicht-Vorhandensein von Rezipienten des Entwickelten. Es formt sich ein übergroßer Haufen Müll. Dieser kann von einer herkömmlichen Müllverbrennungsanlage nicht getilgt werden. Vielmehr verlangt der Zustand der hemmungslosen Kreativität nach einem Gegenteil. Es verlangt nach einem Zustand der gleichfalls hemmungslosen Aufnahme. Auf der einen Seite stehen somit die nimmermüden Schöpfer, auf der anderen apathische Rezipienten. Diese Wesen zirkulieren in einer freundlich anmutenden Hölle, die von Kritikern als Internet bezeichnet wird.
Besorgniserregend ist die Allgegenwärtigkeit jener weltverschlingenden Dämonenkammer. Selbst ich schreibe meinen Mist nicht außerhalb des Teuflischen, sondern habe ein gemütliches Plätzchen auf dem Standstreifen der Datenautobahn gefunden. Der Datenfeindstaub, der mir dabei die Sinne vernebelt, lässt mich in der ganzheitlichen Auffassung, es sei schön. Aber was bin ich nun? Ideenreicher Schöpfer oder geistloser Aufsauger? Überlegungen führen mich zur Überzeugung, dass ich beides bin. Schöpfer und Wahrnehmer. Wie im Welle-Teilchen-Dualismus müssen wir unseren Standpunkt wechseln. Meine einst gehegten, kompensatorischen Zweifel belegen die Unüberlegtheit meiner Abwesenheit. Daher lautet meine Erkennnis: Ich gehöre an diesen Ort! Ich muss beides – sehen und handeln. Ich muss noch viel mehr Müll ins Internet transzendieren! Es muss soweit gehen, bis die Masse des globalen Unsinns die des rationalen Verstandes übertrifft. Wenn dieser interessante Zustand einmal eingetreten ist, muss die Welt langsam herniedersinken – und eine zweite Hölle erreichen. Da die Multiplikation zwei negierter Variablen immer ein positives Ergebnis zur Folge hat, wird sich auch unsere Erde zum Besseren wenden.
Ergo, liebe Erdenbürger: schreibt, brüllt, faxt, mailt, filmt alle kognitiven Dissonanzen dieser Welt und lasst uns zusammen ein großes dialektisches Fest feiern!
Herzlichst, Herr A. Porno.