Beichtstuhl FM

Zum ersten Mal in der Geschichte der Medien wurde in einer bayrischen Gemeinde ein Radiosender in einem Beichtstuhl eingerichtet. Jede Woche in einer anderen Kirche, können Hörer auf der ganzen Welt die Beichten der Gläubigen heimlich belauschen. Verdeckt montierte Mikrofone nehmen die Beichtenden auf, ein kleiner Sender schickt ihre Worte an einen Internet-Rechner. Dieser strahlt das sakrale Programm in alle Welt. Die Kirchgänger wüssten davon natürlich nichts, sonst sei doch der ganze Spaß dahin, teilt der katholische Pfarrer Dirk Friese am Morgen mit. Ethische und moralische Bedenken hat er weder mit Gott, noch mit dem Gesetz. „Schließlich müssen alle Hörer vor dem Einschalten der Online-Sendung ein Kästchen für die Schweigepflicht anklicken und damit zustimmen.“, erklärte er.

Auf www.Beichtstuhl.fm gibt es bereits jetzt, eine Woche nach dem Start der umstrittenen Sendung, eine Rangliste mit den anstößigsten Beichten zum Downloaden. Am beliebtesten ist bisher die Beichte einer alten Dame, die dem Pfarrer genauestens verrät, wie sie ihren Mann jahrelang mit dessen Ziege betrogen habe. Jetzt, wo der Pfarrer eine gewisse Customer Satisfaction erreichen muss, reichen die bisher üblichen Ratschläge am Ende jeder Beichte nicht mehr aus. Die traditionellen Belehrungen wurden gegen lustige Partyspiele eingetauscht. So muss die alte Frau die Ziege im Wettlauf um die Kirche schlagen. Übertragen wird alles live ins Radio. Erst dann werden ihr die Sünden verziehen.

Unterdessen großer Aufruhr im Vatikan. Als der Papst von Pfarrer Frieses Radiosendung hörte, schickte er sofort mehrere seiner Leute in die Welt. „Ich brauche den DSL-Anschluss jetzt dringender denn je.“, sagte der Pontifex Maximus letzte Woche in einem Interview. Es könne nicht sein, dass ausgerechnet er den Start einer solch amüsanten Sendung verpasse. Der Vatikan komme ja sehr angestaubt daher und habe immer diesen Museumscharakter. Frieses Idee käme da genau richtig. Den Internetanschluss bekam der Papst rechtzeitig und schrieb gleich eine E-Mail mit vielen Grüßen aus dem Vatikan an Initiator Friese. Die Klänge der Radiosendung täten der Kirche gut, Radio Vatikan habe schon Interesse am modernen Showformat bekundet. Ein voller Erfolg für Friese.

Werden auch jüngere Kirchengänger durch die Idee engagierter als bisher? „Ja“, sagt der 34jährige Pfarrer und setzt ein breites Grinsen auf. „Die haben doch eh alle Internet und können sich die Sendung zeitversetzt anhören oder auf dem iPod speichern. Zusätzlich können die Jugendlichen selbst zur Beichte kommen und, wer weiß, vielleicht sind sie schon in der nächsten Sendung dabei.“

Ein Bericht von Captain Marc

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